Was kann der Arzt für mich tun und warum ist er wichtig

Erster Tip:

Vereinbaren Sie wenn möglich einen Termin der außerhalb der Sprechstundenzeiten liegt. Die meisten niedergelassenen Ärzte bieten dies Ihren Patienten an, insbesondere bei sensibleren Themen. 

 

Für die ärztliche Diagnose werden quantitative und qualitative Kriterien herangezogen. So ist es für den Arzt nicht nur wichtig, die Zeitspanne bis zur Ejakulation zu erfragen, sondern auch den individuellen Umgang des Betroffenen und seiner Partnerin / seines Partners mit dem vorzeitigen Samenerguss. Im Gespräch kommt es dem Arzt auch darauf an, herauszufinden, ob es sich beim Betroffenen um die lebenslange oder die erworbene Form der Ejaculatio praecox handelt. Für den Fall, dass die vorzeitige Ejakulation beim Betroffenen erst nach Jahren mit einer normalen Ejakulation aufgetreten ist (erworbene Form), muss der Arzt abklären, ob organische Ursachen vorliegen.

 

Zu den quantitativen also messbaren Merkmalen gehört etwa die Zeit, die zwischen dem Einführen des Penis in die Vagina und der Ejakulation vergeht (sog. IELT, Intravaginale Ejakulationslatenzzeit). Bei Männern, die von der lebenslangen Form betroffen sind, liegt diese beispielsweise regelmäßig unter einer Minute. Im Durchschnitt haben betroffene Männer (lebenslange und erworbene Form) nach 1,8 Minuten einen Samenerguss.

Wichtig für die Diagnose einer Ejaculatio praecox sind zusätzliche qualitative Merkmale: Kann der Betroffene die Ejakulation nicht kontrollieren und besteht beim Betroffenen dadurch ein hoher Leidensdruck, so ist dies ein Zeichen für Ejaculatio praecox.

 

Dabei wird allerdings auch vorausgesetzt, dass dieser Zustand dauerhaft besteht und nicht etwa nur bei längerer Abstinenz oder am Anfang einer neuen Partnerschaft auftritt. Dauerhaft bedeutet jedoch nicht, dass die vorzeitige Ejakulation schon seit den ersten sexuellen Erfahrungen bestehen muss – dies gilt nur für die lebenslange Form. Bei der erworbenen Form der Ejaculatio praecox gab es eine Zeit, in der die Ejakulation normal verlief. Erst mit der Zeit trat eine regelmäßige und damit dauerhafte vorzeitige Ejakulation auf.

 

Folgende Vorgehensweise und ähnliche Fragen des Arztes erwarten Sie


  • Wie groß ist die Zeitspanne zwischen Eindringen des Penis und dem Samenerguss?
  • Können Sie Ihre Ejakulation kontrollieren?
  • Belastet es Sie wenn Sie beim Sex zu früh kommen?
  • Wann haben Sie das erste Mal einen vorzeitigen Samenerguss erlebt?
  • Haben Sie bereits bei Ihren ersten sexuellen Kontakten einen vorzeitigen Samenerguss erlebt?
  • Belastet es Ihre Partnerin/Ihren Partner, wenn Sie beim Sex zu früh kommen?
  • Vermeidet Ihre Partnerin/Ihr Partner Sex?
  • Belastet der vorzeitige Samenerguss Ihre Beziehung?

Neben der Befragung fällt auch einer medizinischen Untersuchung eine wichtige Rolle der Anamnese zu. Zum einen können auf diese Weise tatsächlich vorhandene medizinische Gründe festgestellt oder ausgeschlossen werden, zum anderen bieten sie dem untersuchten Mann die Sicherheit, dass seine Beschwerden ernst genommen werden. Der Patient entwickelt in der Regel selbst eine somatische Erklärung, die ausgeschlossen werden muss, damit eine Therapie Erfolg haben kann.

Eine Differentialdiagnose ist erforderlich, um andere Gründe für die frühzeitige Ejakulation auszuschließen. So muss bei der erworbenen Form der Ejaculatio praecox untersucht werden, ob organische Ursachen, eine Erektionsstörung, eine Prostataentzündung oder Schilddrüsenprobleme ursächlich für den vorzeitigen Samenerguss sind. Außerdem müssen von der Ejaculatio praecox vor allem unterschieden werden:

  • Die Ejaculatio diurana spontana, also die spontane Ejakulation im Wachzustand ohne besondere Reizung. Diese ist besonders bei Jugendlichen während der Pubertät häufig.
  • Präejakulative Sekretion, also der Austritt von Sekret aus dem Penis, bevor es zur eigentlichen Ejakulation kommt.
  • Spermatorrhö, der unkontrollierte Ausfluss von Sperma aus dem Penis. Dies kann vor allem bei älteren Männern auftreten.
  • Ejakulationen, die allein durch die Phantasie des Mannes induziert werden.